Haus der Stille

Sichtbarer Ausdruck einer lebendigen Gemeinschaft

 

"Aula caelestis lapides vivi titulantur
Hi duo templi huius quia structure famulantur."

(Romanisches Relief mit Auftraggeber und Baumeister am Georgsturm des Münsters zu Basel, um 1210)

Bauen ist auch: dienliches Gehäuse zu schaffen für den vielfältigen Gebrauch durch den Menschen. Das ist die vordergründige Legitimation. Einer Mehrheit von Architekten reicht dieser offensichtliche Aspekt wohl aus.

Aber Bauen ist mehr. Bauen muss mehr sein als nur technische Bereitstellung von Räumen. Wer sich ein Haus bauen lässt, verspürt wachsend die tiefer greifenden Wurzeln. Architekt meint - aus den Komponenten des griechischen Wortes zu schliessen - mehr als nur "Hand-Werker". Wohl auch Handwerker, aber als der Erste der Handwerker, der Erz-Handwerker.

Bauen ist Schaffen einer neuen fassbaren Welt. Darum ist auch in besten Zeiten das Bauen von den Menschen als eine göttlichem Tun nahestehende Tat erachtet worden. Das Wissen von der Einzigartigkeit der Aufgabe und der verspürte Drang zur Freiheit in eigener Verantwortung liessen in den Bauhütten der Kathedralzeiten einen Berufsstolz wachsen, der die Dombaumeister vor anderen Handwerkern auszeichnete. Gott selbst wurde der Name gegeben: «Baumeister der Welt». Buchmalereien des Mittelalters zeigen den Schöpfergott, über seine Schöpfung geneigt, mit dem Zirkel in der Hand die Erde messend. Im Buche der Weisheit Salomonis, Kapitel 11, Vers 20, findet sich das Wort: "Allein nach Mass, Zahl und Gewicht hast Du alles geordnet."

Bauen ist Ordnen der Massen und Festigkeiten um Raum nach Mass, Zahl und Gewicht. Die notwendige Aufgabe des Menschen, die Erde zu nutzen, um sein Leben leben zu können, beinhaltet mit der sorgenden Pflege der Natur auch die Bewältigung und Gestaltung der Umwelt. Der Essayist Hans Egon Hothusen hat vom Menschen heutiger Zeit als vom "unbehausten Menschen" gesprochen. Aber jeder Mensch braucht zum Leben einen Raum, in dem er sich eigen spürt. Er baut sich ein Haus, um zu Hause zu sein, mit anderen zu wohnen, den Raum des Lebens, um im Kreise der Familie, der Gemeinschaft daheim zu sein. Aus diesem Wunsch und Bedürfnis ist das "Haus der Stille" entstanden.

(R.Th. Stoll)

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