Projekt baseCamp, Prenzlau - für Hoffnung und Zukunft unserer Stadt
”Hoffnung ist die radikale Weigerung, dem Möglichen Grenzen zu setzen.“ (Gabriel Marcel)
1. Zukunft und Hoffnung durch Leben und Arbeit
Hoffnung für die Zukunft gibt es nur, wenn ...
Diese Satz könnte jeder Mensch beliebig, d.h. ganz individuell weiterführen. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, was Hoffnung für die Zukunft bringt. In jedem Fall aber geht es um das Bestreben, eine lebenswerte, sinnvolle und glückliche Zukunft zu schaffen, zu gestalten und zu erhalten.
Diesem Anliegen will das Projekt ”baseCamp“ Rechnung tragen.
Menschen aus unserer Stadt sollen eine Perspektive für die Zukunft gewinnen. Für die Zukunft ihres eigenen Lebens und dadurch für ihre Mitmenschen und ihre Umgebung. Für ihre Stadt und ihre Region.
Menschen aus unserer Stadt sollen Hoffnung gewinnen, um sich wieder aktiv am gemeinschaftlichen Leben beteiligen und auch für das Wohl anderer investieren zu können, denn eigenes Wohlergehen darf niemals Selbstzweck sein.
2. Das Umfeld
Vergangenheit und Phänomen der Konfessionslosigkeit
Das allgemeinste Bekenntnis der ”Nach-Wende-Gesellschaft“ der ehemaligen DDR ist es, mit Gott nichts anfangen zu können. Diese Haltung scheint sich in ihrer Biografie so tief eingegraben zu haben, dass sich die Frage nach Gott gar nicht erst stellt. Entsprechen hoch ist die Konfessionslosigkeit: über 65%. Als konfessionslos gilt, wer zu Kirche, Glauben oder Religion kein Verhältnis hat. Biblisch gesehen: „ohne Gott in dieser Welt leben“ (Eph. 2,12) oder definiert als „der gesellschaftliche Verlust grosser Transzendenzen“ (J. Haustein). Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt sich zwar dabei immer noch, wird aber nicht im Rückgriff auf Transzendenz, Gottesglaube oder Schicksal beantwortet, sondern im Hinweis auf die Bedeutung des eigenen Tuns: ‚Das Leben hat nur dann einen Sinn, wenn man ihm selbst einen gibt‘.
Andererseits ist eine Tendenz hin zu Unsicherheit, Minderwertigkeitsgefühlen und einer tiefen Identitätskrise zu beobachten, die sich vor Verantwortungsübernahme und eigener Aktivität scheut.
Gründe dafür sind einerseits in der DDR Propaganda zu suchen, die alle Transzendenz, Glaube und Kirche systematisch ersetzte, andererseits in der damit verbundenen Biografie, die mit der Wende auf einen Schlag in Frage gestellt und abgewertet wurde. Das komplette, bisher gültige Lebens- und Glaubenssystem kam nicht nur ins Wanken, sondern zerbrach und damit auch die festen Bezugspunkte und Werte der Menschen. Wer es nicht schaffte, sich anzupassen und umzudenken blieb auf der Strecke mit dem Gefühl erneut ausgenutzt worden zu sein.
Auf diesem Hintergrund kann man Mission in Ostdeutschland grundsätzlich als „Befähigung zu gelebter Freiheit“ verstehen. Dies würde die Entwicklung der Autonomie, der Entscheidungsfähigkeit, die „Emanzipation aus den Mechanismen der verinnerlichten Unterdrückung“, die Lösung von „Kollektiv-Blockaden“ (E. Neubert) und die Erarbeitung eigener Handlungsfähigkeit beinhalten.
Damit ist eine seelsorgerliche Auseinandersetzung des Einzelnen mit seiner Vergangenheit und früheren Identität vorrangig, die darüber zur Erneuerung der Persönlichkeit und des gesamten Lebensumfeldes gelangen muss.
Arbeitslosigkeit
Nach Angaben des Arbeitsamtes liegt der Landkreis Uckermark mit über 23% offizieller Arbeitslosigkeit landesweit an der Spitze. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein. Die strukturschwache Region trägt zudem dazu bei, dass viele Jugendliche ohne Ausbildungs- oder Arbeitsplatz bleiben, was zu vermehrter Abwanderung und damit auch zu steigenden Überalterung der Region beiträgt.
Beide Faktoren zusammengenommen machen einen Zugang zum Evangelium über Arbeit und Orientierung bietende Gemeinschaft ersichtlich.
3. Perspektive
Um das Ziel der Steigerung der Lebensqualität trotz aller Individualität zu erreichen ist es vonnöten, sich auf gemeinsame Basiswerte zu besinnen und diese für die Gemeinschaft geltend zu machen. Das kann aber nicht im luftleeren Raum geschehen, sondern entsteht im Zusammenhang von Leben und Arbeit. Diese beiden Felder, die unser Leben umfassen, stehen zwar in einem gewissen Spannungsverhältnis, sind aber auf Ergänzung angelegt.
Arbeit fördert die Lebensqualität auf eine ihr eigene Weise. Wer Arbeit hat, hat das Gefühl, wertvoll, integriert und bedeutend zu sein. Daher ist Arbeit für die Lebensperspektive von zentraler Bedeutung.
Gleichzeitig wird dieses erstrebenswerte Gut für junge Menschen immer schwerer erreichbar. Daraus resultiert eine zunehmende Rat-, Orientierungs- und Mutlosigkeit junger Menschen in Berufsfragen und weiterführend auch in der Freizeitgestaltung. Freizeit ist dann kein Ausgleich mehr zur Arbeit - und damit ist das Verhältnis von Leben und Arbeit gestört.
Das Leben darf weder nur aus Arbeit bestehen, noch kommt es ohne sie aus. Ein Ausgleich zwischen sinnvoller Arbeit und dem Leben in Geselligkeit, Erfahrung der Gemeinschaft und selbständige Gestaltung der Freizeit ist erforderlich und will gelernt sein.
Leben steht immer in Bezug zur Person und deren Erleben ihrer Selbst und der Umwelt. Die aktuellen Lebensumstände in unserer Region erschweren Orientierung und Perspektiven für die Lebensgestaltung. Die Entdeckung der eigenen Fähigkeiten und Begabungen ist daher von grosser Bedeutung, weil sie helfen den Selbstwert nicht allein von der Arbeit abhängig zu machen, sondern sie in Beziehung zu setzen: zu sich selbst, zu den Mitmenschen und der Umwelt.
Um dahin zu gelangen ist individuelle Hoffnung vonnöten. Erst die Hoffnung befähigt einen Menschen zur Aktivität, denn „Hoffnung ist kein Traum, sondern die Möglichkeit, Träume zur Wirklichkeit werden zu lassen.“ (Eugene Peterson) Und Hoffnung wird durch konkrete Perspektiven und Angebote vermittelt.
Das Projekt „baseCamp“ seiht das angsprochene Verhältnis von Zukunft und Hoffnung in Leben und Arbeit als Aufgabe der ganzen Gesellschaft und will dem durch eine strukturelle Einbindung von Kommune, Unternehmen und Kirche Rechnung tragen.
Das Projekt soll eine Chance bieten, sich entsprechend den eigenen Fähigkeiten in der Berufswelt zu erproben, bzw. für diese fit zu werden. Gleichzeitig soll das ganzheitliche Lebenskonzept helfen, den eigenen Selbstwert zu entdecken un ihn nicht ausschliesslich über die Arbeit, sondern über den von Gott aufgrund der Geschöpflichkeit gegebenen Wert zu definieren.
Das Projekt soll das Bewusstsein der Verantwortung vor Gott und den Menschen fördern.
Persönliche und politische Verantwortung wahrnehmen kann nur, wer gelernt hat, in Freiheit zu leben. Freiheit ohne Verantwortung ist ebenso wenig denkbar wie Verantwortung ohne Freiheit.
Daher ist ein Schwerpunkt die geistliche und psychische Freihsetzung von Menschen, die durch ihre Vergangenheit und die dadurch entstandene Prägung in Bindungen, Süchten und Nöten gefangen sind.
Das Projekt soll helfen, persönliche und gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Eigenständigkeit und Verantwortung sollen in der Gruppe erarbeitet, reflektiert und unmittelbar persönlich angewandt werden.
Durch die Begegnung verschiedenartigster Menschen und Gruppen wird die Chance gegeben, den politischen und persönlichen Horizont zu erweitern.
Das Projekt will die Vermittlung christlicher Werte fördern. Es sieht sich dabei dem Bekenntnis der evangelischen, christlichen Kirchen verpflichtet, das uns in der Bibel überliefert ist. Die Hingabe an Gott soll dazu führen, einen ewiteren Lebenshorizont zu gewinnen, entscheidungsfähigk zu werden, den persönlichen Lebenssinn zu festigen und in Gottes Vision und im Dienst an anderen leben zu lernen.
Das Projekt will auf der Grundlage christlicher Werte das Gemeinwohl fördern. Das geschieht insbesondere aufgrund ganzheitlich durch Leben und Arbeit getragene Vermittlung des höchsten Gebots der Nächstenliebe.
Das Projekt will zum Wohl der Menschen in seiner Stadt leben und arbeiten. Aus der Überzeugung, dass Veränderung möglich ist und Zukunft aktiv gestaltet werden kann und muss.
Stefan Krehl

